Die innere Welt der Bilder

Am Anfang und am Ende ihres wunderbar skurrilen Buches „Was man von hier aus sehen kann“ schreibt die Autorin Mariana Leky über „Nachbilder“ – Bilder, die man hinter geschlossenen Lidern sieht, wenn man eine Sache länger anschaut und dann die Augen schließt. Das äußere Bild wird zu einem veränderten innerem Bild.
Daran musste ich denken, als mir neulich in meinem Stammcafé die Idee zu einer kleinen Zeichenübung kam.

Ich machte mir gerade Notizen für einen bevorstehenden Kurs und hatte auch vor, mal wieder mit meinem iPad zu zeichnen: Eines meiner privaten Projekte besteht zurzeit darin, so oft wie möglich mein iPad dabeizuhaben und in ruhigen Momenten unterwegs (meistens in Cafés) zu zeichnen, was ich sehe, ohne eine Auswahl zu treffen – und ohne mich zu irgendetwas zu zwingen.

Kurz etwas zur Vorgeschichte:
Lange Zeit war mir das Abzeichnen suspekt. Es hatte mir zuviel mit Akkuratesse, Regeln, Arbeit zu tun.
Vor einer Weile aber erkannte ich, dass ich das Zeichnen – trotz der vielen positiven Erfahrungen beim Intuitiven Malen – immer noch mit alten inneren Grenzen verband, die ich in meinem vorzeitig beendeten Kunststudium nicht überwunden hatte.
Ich war damals nicht diszipliniert genug gewesen, d.h., ich hatte die Lust an der Selbstmotivation und die dazugehörige Disziplin noch nicht entwickelt, und erhielt auch keine für mich stimmige Anleitung.
Und weil ich diesen Weg nicht weiterverfolgte, blieb die unbewusst gespeicherte Vorstellung, ich sei einfach nicht konsequent oder geduldig genug, um jemals „gut“ zeichnen zu lernen, viele Jahrzehnte lang bestehen. Ich dachte, es passe einfach nicht zu mir.
Doch wenn man sich einmal auf den kreativen Weg begeben hat, holen einen nach und nach alle vergessenen und verdrängten „Misserfolge“ ein – und wollen verstanden und gelöst werden… Und so ist jetzt das Zeichnen wieder dran.

Nun zurück ins Café:
Ich saß also vor meinem Kaffee und mein Blick fiel aus dem Fenster:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Genau das, sagte ich mir und holte mein iPad aus der Tasche, werde ich jetzt zeichnen.
Und ich litt sofort, genau wie früher, an mangelnder Geduld und einem spontanen Lust-Verlust.
Wer will denn sowas zeichnen!?

Doch dann kam die zündende Idee:
Ich schaue mir das „äußere“ Bild dieser Dorfstraße mit dem direkt vor meiner Nase geparkten Auto noch einmal genau an, schließe dann die Augen und lasse mein Inneres mitreden. Und dann male ich los und lasse mich von meinem „inneren“ Bild überraschen.
Sofort war meine Experimentierfreude geweckt! Es ging ja nicht um Kunst, Vergleichen, Richtig oder Falsch, sondern um eine spannendes Spiel. Es MUSS JA AUCH NICHTS WERDEN, sagte ich mir, es darf einfach nur Spaß machen!
Und den machte es.

Hier ist die wunderbar un-perfekte Zeichnung, die dabei entstand:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich aber habe Blut geleckt und freue mich schon auf meine nächste Zeichensitzung im Café. Und ich weiß, selbst wenn ich denselben Ausschnitt wählen würde – das Bild würde völlig anders werden, weil ja mein Inneres und meine Stimmung immer wieder anders sind…

Lust, es auch zu probieren?


Kleine Übung:
Du brauchst etwas ungestörte Zeit, wo immer du gerade bist, sowie Zeichenpapier oder einen kleinen Block und Stifte.
Oder du experimentierst wie ich mit einem iPad und einer Zeichen-App (das ist für mich ein spannendes Neuland, besonders gut für unterwegs…).


Die Übung:
Du schaust auf den gegenwärtigen Blick (egal, ob er dir gefällt oder nicht) und schließt die Augen.
Hinter den geschlossenen Lidern lässt du den Blick auf dich wirken.
Du erlaubst auch deinem Fühlen und Spüren, sich einzuschalten.

Dann nimmst du den Block und die Stifte (oder das iPad) zur Hand und malst das „innere Bild“ – ohne groß nachzudenken oder zu interpretieren, aber mit gelegentlichem Augenschließen und Nachspüren.

Hinweis: Es geht bei dieser Übung ABSOLUT NICHT darum, in irgendeiner Weise ein ästhetisches, „schönes“, bedeutungsvolles oder künstlerisches Bild zu erzeugen. Nein, wir üben einfach, auf das innere, an das Fühlen und Spüren gekoppelte Sehen umzuschalten – und sofort und ohne nachzudenken loszumalen.

Noch ein Hinweis: Wir malen das innere Sehen nicht Eins-zu-Eins ab (da machen wir doch besser gleich ein Foto!). Es geht nicht um irgendeine Leistung. Wir malen das innere Bild einfach so, wie es sich im Moment über die Stifte und Farben ausdrückt, unseren Mal- und Spielfähigkeiten entsprechend.


Der Hintergrund:
Ich arbeite sehr viel mit inneren Bildern und Geschichten und weiß daher, dass diese stets mit Emotionen, Erinnerungen und gespeicherten Informations-Energien vermischt sind. Und je tiefer ich mit mir, meinem Körper/Energiefeld und dem gegenwärtigen Moment in Kontakt gehe, desto tiefere Ebenen und Metaphern werden enthüllt.

Es ist endlos spannend (und auch berührend und heilend), diese inneren Ebenen beim Malen mitschwingen zu lassen, wie es die meisten Maler – und auch wir in den Kursen – immer wieder tun. Ebene hinter Ebene tut sich auf, und das Fühlen, Spüren, Sehen, Hören und „Erinnern“ erschaffen gemeinsam neue, von tiefer Sinnhaftigkeit erfüllte Welten. Im Inneren, auf der Leinwand, auf dem Papier.

Die oben beschrieben Übung ist eine kleine Anregung dazu.

HÖREN

In der letzten Zeit habe ich mir – angeregt durch meinen letzten Beitrag „Mit allen Sinnen“ – ab und zu eine Übung verordnet: Schon morgens beim Aufwachen entschied ich mich, den vor mir liegenden Tag ganz besonders einem meiner Sinne zu widmen.

Da gab es einen Spür-Tag (den ich mehrfach wiederholte, weil er mir so viel brachte), und einen Hör-Tag, den ich heute zum zweiten Mal feiere.
Beim ersten Mal hatte ich viel Besuch und vergass meine Absicht immer wieder – es war wohl der falsche Tag für eine solche Aufgabe.

Die Welt des Hörens

Aber heute spüre ich, wie ich sofort und mühelos in die Welt des Hörens eintauchen kann. Und wie immer, wenn das automatische Sehen und Denken in den Hintergrund treten, eröffnet sich mir eine andere Ebene der Welt: Ich öffne mich den Klängen, Tönen und Geräuschen, und befinde mich plötzlich in einer Klang-Fühl-Farbenwelt.
Sehe eine Art Teppich mit einer welligen, hellfarbigen Untergrundtönung aus Rauschen, Summen und Streichen, betupft mit farbigen Klang-Klecksen:
Kinderstimmen aus dem Garten nebenan,
ein Auto, das eine dunkelgraue, kurvige Klangspur zieht,
die klackernden, beige-weißen Punkte, die meine Tastatur darüberstreut, während ich hier schreibe.
Hören und inneres Sehen verweben sich, die Zweidimensionalität der Alltagswelt zerbricht und Tiefe, Weite, Dichte enthüllen sich.

Meine kreative Seele lächelt und breitet ihre Arme aus.
Mein Herz summt vor Freude.
Und ich bin plötzlich so viel mehr – mehr Welt, mehr Berührtsein, mehr Tiefe.

Ein Hör-Tag

Probiere es aus – es ist sooo einfach sich das zu schenken..
Wichtig ist nur, dass du nichts Bestimmtes erwartest, sondern bereit bist, das zu empfangen und zu erleben, was in dir auftaucht! Jeder hat seinen eigenen inneren Reichtum, den wir nur wahrnehmen, wenn wir offen für ihn sind.

ALSO:
Erkläre einen ganzen Tag zum Hörtag.
Es muss kein freier Tag sein, du kannst wie ich heute eine Menge zu erledigen haben, das macht nichts.
Alles, was du dir vornimmst, ist, regelmäßig innezuhalten und bewusst dein HÖREN einzuschalten.

Wenn es geht, mache die Augen dabei zu.

Achte auf die Klänge oder Geräusche, die dir als erstes auffallen.
Wie nimmst du sie wahr, wenn du ihnen wirklich deine Aufmerksamkeit schenkst?
Als Farben und Formen (wie ich)? Als Empfindungen? Wellen? Völlig anders?
Kannst du spüren, welche Klänge näher sind und welche weiter entfernt?
Kannst du auch Klänge, die du normalerweise vielleicht als „störend“ empfindest, voller Interesse untersuchen?
Kannst du dir erlauben, diese Übung an diesem Tag immer wieder zu machen?

Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch – du erkundest einfach eine Sinnesebene in deinem Leben (das Hören) und machst deine eigenen Entdeckungen.
Manchmal macht man auch (wie ich oben) die Entdeckung, dass es der falsche Tag ist. Kein Problem. Wiederhole das Spiel einfach an einem anderen Tag. Oder mit einem anderen Sinn.
Ich werde jedenfalls weitermachen und alle meine Sinne auf diese Weise zelebrieren! Und sicher hier darüber berichten.

Und für die praktisch Denkenden: Das Ganze ist sogar „für was gut“

Diese und ähnliche Übungen helfen uns, unsere Sinne bewusst einzuschalten und unser Gegenwartsbewusstsein zu erleben – auf einfachste, spielerischste Weise.
Und warum wollen wir das erleben?
Weil es spannend ist.
Weil es Spaß macht.
Weil es sich gut anfühlt.
Und weil es als Tor zu unserer kreativen Seele dient – vor dem Malen, vor dem Schreiben, während unseres kostbaren, kreativen Lebens.

 

Das kreative Leben und die DGSVO

Liebe Leserin, lieber Leser meines Blogs,

kreativ sein kann manchmal heißen, unangenehme Jobs, die spezielle technisch-organisatorische Fähigkeiten brauchen, entspannt und mit Freude zu erledigen… Wenn sie für die Dinge, die einem am Herzen liegen, nötig sind 😍.

So einem Job widme ich mich seit etwa 10 Tagen: Ich mache meine Seite fit für den 25. Mai.
Warum der 25. Mai?
Weil am 25. Mai das neue Datenschutzgesetz (DSGVO) in Kraft tritt.

Falls du  nicht weißt, was das ist, freu dich – dann hast du wahrscheinlich keinen Newsletter / Blog / Website mit Kontaktseite usw.
Alle anderen wissen, dass gerade eine Menge Arbeit anfällt, und sind wahrscheinlich – genau wie ich – täglich mehrere Stunden damit beschäftigt.

Was davon meine Blog-LeserInnen betrifft:

Falls meine Beiträge immer automatisch in deinem Postfach gelandet sind und du das gut so fandest: Das wird es zukünftig nicht mehr geben.

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Und eine Verlosung

Zum Schluss noch ein kleiner Bonus für alle, die sich bis zum 30.06. neu angemeldet haben: Ihr nehmt teil an einer Verlosung, bei der ich 3 meiner Filme „Kreativität, die Kunst im Fluss zu sein“ und drei Kartensets unters Volk bringen möchte.

Am 30.06. werde ich die Namen aller Angemeldeten auf einzelne Zettel schreiben, diese gut versiegeln, und zum Schluss meine Büro-Fee Karin sechsmal ziehen lassen.
Die Gewinner benachrichtige ich per Email, und dann könnt ihr mir eure Postadresse geben und auch sagen, ob ihr lieber den Film oder die Karten hättet.

Ich freue mich auf einen kreativen Neuanfang mit euch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Bonbon ein kleiner Text von meiner Leserin Christine Trautwein

Seit gestern und heute
gibt es keinen Strom in Playa Corona
und diese „Stromfreizeit“,
hat mir
meine Maske,
„Nicht Wichtig zu Sein“
gezeigt.
Um ihr so richtig in die Augen zu sehen,
werde ich sie mir jetzt
in Form einer grünen Kräutermaske
aufs Gesicht setzen
und vor dem Spiegel zusehen,
wie sie vertrocknet,
Risse bekommt,
wenn ich sie anlächle
und wie sie sich auflöst
mit klarem Wasser,
bis mich nur noch mein
lebendig, freudig strahlendes Gesicht
aus dem Spiegel anschaut.
Mag sein, dass ich danach
große Lust verspüre
mit meinen Farben
zu spielen.