Sommerspiele – Ich schenke euch einen Kreativ-Kurs

Jeder perfekte Reisende
erschafft selbst
das Land, in dem er reist.

Nikos Kazantzakis

 

Nach zwei Wochen der Faulheit, ohne festen Plan, tauchte der Wunsch nach einer Aufgabe, nach Struktur in mir auf. Nach einem kreativen Projekt.
Passenderweise hatte ich sowieso vor, mal wieder einen Blog-Beitrag zu schreiben – und beim Vorbereiten entstand spontan die Idee, gleich eine kleine Serie für euch zu machen. Eine kleine kreative Reise in vier oder fünf Teilen zum Thema: „Sommerspiele“.
Quasi einen kleinen Malkurs in mehreren Teilen.
Und den schenke ich euch.

Ich schenke ihn zugleich auch mir: Viel Struktur, eine kreative Herausforderung für eine ganze Weile.
Ein umgrenzter Raum, in den alle meine Inspirationen, Ideen und Visionen fließen und eine neue Form bilden können.

Wenn ich so eine Serie anbiete, dann geht es natürlich um Kreativität. In diesem Fall um Intuitives Malen, Kreatives Schreiben, und was sonst noch so auftaucht. Das Tollste bei der Kreativität ist ja unter anderem, dass man nie genau weiß, was als Nächstes auftauchen wird (auch ich weiß das nicht).

Also: habt ihr Lust euch frei auszudrücken? Hier geht’s los!
Mit einem Video, in dem ich kurz etwas über das Malen mit eurem Inneren Kind erzähle, eine Übung mit euch mache und eine kleine Malsitzung einleite.

Kreativer Sommer 1 – Malen mit dem inneren Kind

 

Was ihr dafür braucht
Wichtig ist, dass ihr euch schon im Voraus einen kleinen Malplatz aufbaut.
Das kann an einer Staffelei sein, auf dem Tisch, oder an der Wand.
Dann braucht ihr Malpapier, am besten einen großen Block oder einzelne Blätter. Was ich in meinem Atelier verwende, sind Malblätter à 50 × 70 cm. Aber einfach nur zum Spielen und Ausprobieren ist auch ein kleineres Format prima.
Außerdem natürlich Farben. Wir benutzen im Atelier Gouache- oder Tempera-Farben, aber ihr könnt natürlich auch mit Deckfarben loslegen! Immer, wenn ich mal kleine Formate male, im Urlaub oder nebenbei am Küchentisch, nutze ich auch einen Deckfarbkasten.
Dann noch ein paar große und kleine Aquarellpinsel, Wasser, ein altes Tuch oder Küchenkrepp (zum Pinselabstreifen & für 1000 andere Zwecke)
und mindestens eine halbe Stunde Zeit, in der ihr ungestört seid.

Alles Weitere erkläre ich nach und nach in den Videos.

Und falls ihr mitgemalt habt und bei der Malsitzung Fragen aufgetaucht sind, schreibt mir eine Mail und ich werde sie in der nächsten Etappe unserer Malreise beantworten!

 

Mut zur Kreativität

Schon seit längerem will ich endlich mal wieder einen Blogbeitrag schreiben, habe auch schon mehrfach begonnen – und dann immer wieder alles geändert. Es fühlte sich nicht stimmig an, etwas Weises und bestimmt auch sehr Wahres über Kreativität zu schreiben, ohne auf die derzeitigen Ereignisse in der Welt einzugehen.

Statt in die Sonne zu gehen, saß ich also am Computer, suchte nach stimmigen Worten und Formulierungen, und hatte schon ganz entzündete Augen von so viel Bildschirm. Der Prozess erinnert mich daran, was der Maler und Bildhauer Michelangelo einst über seine Arbeit an der berühmten Skulptur des David gesagt haben soll: Der David sei in dem unbehauenen Steinblock schon vorhanden gewesen, und seine, Michelangelos Aufgabe sei es nur gewesen, ihn einfach nach und nach, Splitter für Splitter freizulegen und so zu entdecken. Und ich beobachtete, wie ich bei diesem Ringen um Wahrhaftigkeit immer näher an das herankam, was ich wirklich zu sagen hatte – aber noch nicht im Detail gewusst hatte.

Nach mehreren Tagen des Hämmerns und Meißelns stieß ich sdann auch wirklich auf meinen eigenen, verborgenen David: Ich konnte plötzlich sehen, dass die Invasion der Ukraine – neben vielen anderen Dingen, über die ich hier nicht reden will – eine wichtige Metapher über das Leben, Kreativität, Kontrolle und Vertrauen enthält.
Und die möchte ich jetzt mit euch teilen.

 

Zuerst ein Auszug aus meinem ersten Buch über das Intuitive Malen, „Kreativität – die Kunst, im Fluss zu sein“:

Am Anfang allen Lebens stand, so erzählt uns die Bibel, ein schöpferischer Akt,
in dem Gott in sechs Tagen die Welt, die 10.000 Dinge, mich, dich und alles, was wir kennen quasi aus dem Nichts erschuf.
Am siebten Tage aber ruhte er: die Welt war fertig.
Feierabend. Schöpfungsakt beendet!
Doch stopp! Ist nicht alles in ständiger Bewegung und Veränderung?
Wird die Welt nicht in jedem Augenblick weiter erschaffen und geformt?
Aus Samen wachsen Blumen und riesige Bäume, Sterne entstehen und verglühen,
Menschen und Tiere werden geboren und sterben.
Eine geheimnisvolle Kraft scheint am Werk zu sein,
die unermüdlich Milliarden von Formen erschafft, die wir als die Welt wahrnehmen.
… und …
An der Basis dieser so fest erscheinenden Welt
finden wir eine geheimnisvolle schöpferische Kraft,
ständige Bewegung, Entstehen, Vergehen
und gleichzeitig vollkommene Stille.

Mit dieser schöpferischen Kraft haben wir es in der Kreativität zu tun, sie informiert, inspiriert und belebt uns – wenn wir uns ihr anvertrauen. Das heißt, wenn wir uns für sie öffnen, sie empfangen, uns trauen mit ihr zu fließen. Wenn wir lernen, Leere und Nichtwissen zu ertragen und sogar zu lieben.

Das wäre eigentlich ganz leicht:
Die ganze Welt befindet sich, wenn wir genau hinschauen, in einem fortlaufenden Prozess der schöpferischen Transformation. Sie ist beseelt von dieser schöpferischen Kraft – und im Kern unsere Wesens sind auch wir diese Kraft. Sie ist unsere Essenz und gleichzeitig unsere Verbindung zum Ganzen, zu Allem. Es sollte also das Leichteste auf der Welt sein, uns dieser Kraft anzuvertrauen.

Aber es ist auch ziemlich schwer:
Alles wandelt sich, auch wir. Und nicht immer sind wir mit diesem ständigen Wandel einverstanden. Er entzieht sich unserem Einfluss und kann uns auch bedrohen: Jemand liebt uns – und dann nicht mehr. Wir werden alt und müssen irgendwann sterben. Unwetter und lang andauernde Dürrephasen bedrohen uns, Viren bedrohen unsere Gesundheit – und dann sind da noch die anderen Menschen…

Und so legen wir uns mit den Jahren einen Sicherheitspanzer zu und versuchen mehr oder weniger offensichtlich das Leben zu kontrollieren.
In der Kreativität steht uns das ganz massiv im Wege.

In der Kreativität bewegen wir uns – wie im ganzen Leben – stets auf einer Achse zwischen Kontrolle und Vertrauen, Starre und Lebendigkeit.

Auf der Seite der Lebendigkeit sitzt unser inneres Kind, das mit einem riesigen Vertrauensvorschuss in die Welt gekommen und noch eine ganze Weile eng mit der schöpferischen Quelle verbunden ist, aus der es kommt.
Dieses Kind steht für unsere natürliche Fähigkeit, nicht-wissend ins Unbekannte zu gehen, jeden Moment etwas Neues zu lernen, die Dinge immer tiefer zu erforschen, frei und offen unseren Ausdrucksimpulsen zu folgen, beim Spielen, beim Malen, im Kontakt mit anderen, beim Entdecken der Welt. Die vielfältigen Entwicklungen, die wir als Kind in kürzester Zeit durchmachen müssen, um zu überleben und uns in der Menschenwelt zu behaupten, sind ohne diese Fähigkeiten nicht denkbar. Auch Eigenschaften wie Freude, Abenteuerlust, Liebesfähigkeit, Mut und Offenheit beruhen auf ihnen.
Bei den meisten verblassen sie irgendwann etwas, werden durch mehr oder weniger Kontrolle ersetzt – aber sie gehen uns nie verloren, auch nicht, wenn wir 76 Jahre alt werden und viele Jahre lang gelernt haben, unseren Ausdruck zu zügeln, uns ständig selbst zu beurteilen, uns den Erwartungen irgendwelcher realer oder imaginierter Autoritäten zu beugen.

Wenn wir unserem Ausdruck etwas aufzwingen (weil wir uns sicherer damit fühlen, weil wir es so gelernt haben, weil jemand anders es für richtig hält, weil unser innerer Kritiker uns dazu drängt, weil es „mehr wie Kunst“ aussieht und vieles mehr), dann bewegen wir uns auf der Achse immer mehr zur Kontrollseite. Und dort sitzen wir dann in unserer Zwangsjacke und wundern uns, dass die Freude am Ausdruck verloren geht: Kreativität lässt sich nicht kontrollieren, und wenn wir es trotzdem versuchen, verdrückt sie sich durch die Hintertür, um draußen mit dem Wind zu tanzen.

 

Zurück zur Politik, zu Vladimir Putin und seinen augenscheinlichen Drang, alles um sich herum zu kontrollieren: Die Machtgefüge der westliche Kultur basieren zu großen Teilen auf diesem Drang. „Ich will lieber dich kontrollieren, damit du nicht mich kontrollierst.“
Aber kennen wir diesen Impuls nicht auch? Mehr oder weniger?
Er ist tief in uns verankert – und wie wir zur Zeit in der Politik sehen können, führt der Versuch eines Menschen, totale Kontrolle auszuüben und den Dingen seine eigene „Ordnung“ aufzudrücken, früher oder später zum Bedürfnis nach immer mehr Kontrolle und schließlich zu Destruktivität und Vernichtung.

Wo so große Kontrolle herrscht, ist kein Raum mehr für Kreativität.

 

Ich denke nicht, dass diejenigen Politiker, die mich gerade so frustrieren, Interesse an dieser Sicht haben.
Schade, wir könnten ihnen andere, neue und lebendigere Wege zeigen… das Angebot steht!
Doch inzwischen haben wir Besseres zu tun als uns über ihre Uneinsichtigkeit zu ärgern.

Die kreative Kraft steht jederzeit zur Verfügung und es liegt an uns, den Kontrollbereich in unserem Leben ein wenig (und dann etwas mehr) zu verlassen und ein paar bunte Zeichen zu setzen. Und sehen, wohin uns das führt.
Wir weichen von den uns bekannten Pfaden ab und vertrauen wie Michelangelo darauf, dass sich mit jedem Schritt, jeder Farbe, jedem Ausdruck ein uns noch unbekanntes, stimmiges Ganzes enthüllt.
Um uns dem kreativen Pol der oben beschriebenen Achse wieder anzunähern, reicht es nicht zu denken, zu lesen, darüber zu reden.
Kreativität erleben wir, wenn wir uns trauen ihre lebendige, aufweckende, magische Kraft wieder am eigenen Leib zu spüren. Wir werden daran erinnert, wer wir einst waren – und eigentlich immer noch sind.

 

Unser Medium dafür ist das Intuitive Malen, bei dem wir üben, auf die schöpferischen Impulse zu lauschen, ihnen mutig zu folgen und das Kind, das wir einst waren, wieder in unser Leben einzuladen.

Und jeder, der sich ein paar Schritte von der Kontrollseite der Achse entfernt und auf die Kreativitätseite zugeht, verändert das dynamische Gleichgewicht zwischen den Polen. In sich selbst. In der Welt. Lasst es uns wagen!

 

Die Lage ist heikel.
Der Widerstand, alte Systeme zu verlassen, ist groß.
Fangt bei euch selber an.
– aus einem Rundbrief der Astrologin Kirsten Hanser

 

 

Neuer Jahrerskurs

Im September 2022 beginnt eine neuer Jahreskurs zur Entdeckung und Befreiung der schöpferischen Kraft in uns.

Wir begeben uns auf eine magische Abenteuerreise der Entdeckung und unser Medium ist das Intuitive Malen.

Flyer laden:Jahreskurs 2022-2023

 

 

In Freiheit kreativ sein

Als Künstler:innen suchen wir stets nach Möglichkeiten, unsere tiefsten Gefühle und Überzeugungen auszudrücken. Unsere kreative Praxis hat nichts damit zu tun, irgendwelche sinnlosen oder platten Werke zu produzieren. Wir wollen Spaß haben und uns vollkommen präsent und lebendig fühlen.
Wir wollen Neues entdecken und sind bereit, bis an die Grenzen unserer Fähigkeiten und Visionen zu gehen.
Das ist der Ort wahrer Auseinandersetzung und echter Entdeckungen.
nach Cat Bennett

 

Nachdem ich mich tagelang (eher wochenlang) mit der Suche nach einem zündenden Text für diesen Blog abgeplagt hatte, muste ich mir eingestehen, dass ich im Moment „aus dem Stand“ – ohne Gegenüber, ohne Abfrage – nichts wirklich weltbewegendes zu sagen habe. Oder richtiger: Ich kann immer so einiges erzählen, auch spannende Dinge, aber verglichen mit den Inspirationen, die in einigen meiner letzten Kurse zu mir und durch mich kamen, reißt mich davon gerade nichts vom Hocker.
Es scheint, dass diese Inspirationen meine Ansprüche an mich selbst massiv erhöht haben – und wir wissen alle, was Ansprüche in der Kreativität anrichten: Sie rufen sämtliche inneren Kritiker auf den Plan. Und meine wunderbaren Methoden zum Umgang mit den inneren Kritkern verstärkten dieses Mal nur meine Lustlosigkeit.

Genervt ließ ich die ganze Sache los: Wer sagt denn, dass ich unbedingt einen Blog schreiben muss? Wer sagt denn, dass ich unbedingt Kurse geben muss…
Stimmt, muss ich auch nicht.
Ich entscheide das ja alles selber – und kann auch alles anders machen.

Da war auf einmal der ganze Frust verpufft. Ein Türchen hatte sich geöffnet, das ich nie gesehen hatte, obwohl es schon die ganze Zeit da war und ich fand mich auf der anderen Seite einer unbewussten, selbst gesetzten Grenze wieder („Blogs schreibt man so-und-so“), vor mir endlose Möglichkeiten, in mir endlose Abenteuerlust.
Wenn ich ein Gegenüber brauche, dachte ich, um wirklich inspiriert zu sein, dann suche ich mir eben eines!

Vor meinem inneren Auge sah ich plötzlich mein neues Blog-Format für die nächsten Monate:
Ich werde für meine Posts jeweils eine der Frauen, die ich in meinen Kursen begleitet habe, zu ihrer Sichtweise und ihren Erfahrungen mit der Kreativität befragen, das dann aufschreiben und hier veröffentlichen. Endlich werden sich ein paar neue Stimmen zu der meinen gesellen, und auf diese Vielfalt freue ich mich schon!

Hier kommt auch gleich die erste neue Stimme: Zufälligerweise macht Annette Gack – eine Absolventin meines letzten Meisterkurses – gerade Urlaub hier in Uffing. Und zufälligerweise hatte sie auch Lust, bei diesem neuen Projekt mitzumachen, also habe ich sie auf der Terrasse ihrer Ferienwohnung gleich ausgefragt. Hat Spaß gemacht!
Ihr Beitrag hat mich begeistert und ich freue mich, ihn hier veröffentlichen zu dürfen:


Das Intuitive Malen beglückt mich, weil es alles hat: Das Öffnen, das Ganz-Im-Köper-Sein, das Da-Sein und die Ausdrucksimpulse empfangen.

Das ist für mich das Weibliche.
Und wenn ich diesen Impulsen dann Form verleihe, empfinde ich es als das Männliche.
Das ist für mich die perfekte Balance, die Harmonie, die ich suche: Einfach nur da sein und fühlen, was da ist. Und es dann ausdrücken dürfen.

Irgendwann habe ich dann dieses Bild, und das ist für mich wie ein Energiespeicher, mit dem ich immer in Resonanz gehen kann. Es spiegelt ja meine Energie, und oft ist da auch eine Energie, die ich so noch nie gespürt oder gekannt habe. Ich weiß, dass sie immer ein Teil von mir war – aber noch nicht bewusst, noch nicht ausgedrückt. Da kann es passieren, dass mein innerer Widerstand auftaucht und die kritischen Stimmen ganz laut werden. Damit umzugehen, kann dann ein ziemliches Angehen sein und sich auch wie harte Arbeit anfühlen. Aber ich bin gleichzeitig die ganze Zeit im Fluss und spüre das auch.
Solche Bilder muss ich dann länger anschauen, immer wieder, das ist eine Art Integrationsprozess, der auch zu tiefen Erkenntnissen führt.

Nach einer gewissen Zeit beruhigt sich dieser Prozess wieder und spätestens dann will ich das nächste Bild malen,  will den nächsten spannenden Prozess. Tja, und wenn ich WILL, dass es genauso spannend wird, wie beim letzten Mal, funktioniert es erstmal nicht. Da muss ich mich wieder völlig leermachen, wieder atmen, alle Erwartungen loslassen und empfangen, egal, was kommt.

Annette Gack