Ostergruß

Liebe Leserinnen und Leser,

ein sonniger Ostersonntag, alle Fenster sind geöffnet und die Stimmen der spielenden Kinder schallen durch die Frühlingsluft. Keine Autos, kein Smalltalk über den Gartenzaun, nur Kinderstimmen und Vogelsang. Ab und zu bellt ein Hund.

Wunderbar – und sehr inspirierend. So kam ich darauf, einen kleinen Film für euch zu machen, in dem ich aus dem Buch „Kinderspiel“ von Michele Cassou vorlese und ein paar eigene Gedanken anfüge.

Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich daran denke, in der nächsten Zeit öfter kleine Texte über das kreative Leben vorzulesen und zu kommentieren. Auch die eine oder andere Übung kann dazukommen – je nachdem, was gerade passt.

Ich wünsche euch viel Freude damit,
und schöne Frühlingstage!
Paro

 

Mein Oster-Video:

Weißbrot nach dem Augenmaß

Liebe Leserinnen und Leser,

als geborene Einsiedlerin habe ich mich ziemlich schnell in der vorübergehenden Isolation eingerichtet. Ich habe gerade mehr zu tun, zu lesen, zu lernen als je zuvor, und kann es natürlich auch nicht lassen, regelmäßig in meinen bevorzugten Online-Zeitungen zu verfolgen, was rund um das Corona-Virus und seine Auswirkungen in der Welt los ist.

Zusätzlich erreichen mich aufmunternde Filmchen, Links zu meistens großartigen Artikeln, und so viele Gratis-Webinars und Vorträge von weisen Lehrern und Lehrerinnen, dass es schier unmöglich ist, eine stimmige Auswahl zu treffen.

Dann stand es an, einen eigenen neuen Blogbeitrag zu verfassen und ich dachte: Muss ich dieser Flut wirklich noch etwas hinzufügen?

Doch warum eigentlich nicht? Ihr seid sicher genauso wie ich am Sortieren und Auswählen, und es könnte ja sein, dass meine Beiträge und Vorschläge für einige genau das Richtige sind!

Mein diesmaliger Newsletter hat den Titel “Care-Paket für Kreative und LebenskünstlerInnen und auch dieser und meine nächsten Blogbeiträge sollen kleine Care-Pakete sein: Virtuelle Päckchen mit Reflektionen, Anregungen, Übungen, Meditationen und was immer sonst gerade mitgeschickt werden möchte an euch.

Ich werde in dieser spannenden Zeit etwas öfter schreiben, wahrscheinlich alle 2 Wochen.
Und wenn ihr Wünsche oder Fragen habt, schickt mir eine EMail!
Dann kann ich die Antworten, die gerade passen, zukünftig hier einbeziehen.

Ressourcen für außergewöhnliche Zeiten

Da es jetzt nicht, wie viele hoffen, darum geht, brav stillzuhalten, bis alles wieder “normal” wird (was eh nie passiert in diesem wandlungsvollen Leben), üben wir lieber, uns auf das gegenwärtig ziemlich unsichere Lebensgefühl einzulassen. Weil es eben das ist, was wir gerade haben, und weil wir als Kreative sowieso schon üben, genau auf das einzugehen, was gerade auftaucht.

Und so frage ich mich: Was kann mir und uns allen helfen, uns noch entschiedener mit dem Nichtwissen und der Unsicherheit anzufreunden?
Denn diese beiden Gegebenheiten sind in der Kreativität schließlich unsere größten Freunde. Jetzt können wir sehen, wie gut uns diese Freundschaft auch im Leben trägt, und wie wir sie vertiefen und stärken können.

Genauer gefragt: Welche Ressourcen benötigen wir, um uns auf diesem Weg des  Nichtwissens und der Unsicherheit zurechzufinden? Um uns nicht verloren, sondern angeregt und neugierig zu fühlen?

– Das Innere Kind fällt mir ein, das völlig fremd in eine unverständliche Welt fällt und sich dort nicht nur zurechtfinden muss, sondern spielen, tanzen, lieben, blühen möchte – und sollte. Wie lade ich es ein, auch diese eher außergewöhliche Gegenwart mit seiner Neugier, seiner Courage und seiner Lebensfreude zu erfüllen?

– Viele sind zur Zeit eher mit der Schattenseite des lebendigen, kreativen Kindes konfrontiert – den Ängsten, der Panik, dem unterschwelligen Gefühl von Auflösung oder Bedrohung (bei mir tauchen sie meistens nachts auf). Das Schattenkind entsteht unter anderem, wenn wir in unserer Kindheit ohne – oder mit zu wenig – Sicherheit klarkommen mussten. Solange wir solche Energien verdrängen, spüren wir sie eher unterschwellig als mulmige Bedrückung und tiefe Anspannung. Doch wir können üben, uns nicht von den Ängsten des Kindes überwältigen zu lassen, sondern ihm (und damit uns selbst und allen anderen Kindern auf der Welt) Halt und Liebe zu geben. Dann beginnen wir auch die heilsame schöpferische Kraft des Kindes wieder in uns zu spüren und können sie malend, zeichnend, spielend ausdrücken.

– Außerdem: Vergesst nicht den inneren Kompass, der uns stets in die Gegenwart bringt, wo der “nächste stimmige Schritt” klar erkennbar wird. Diesen Kompass – unser Bauchgefühl – sollten wir in einer Zeit, in der der vor uns liegende Weg (wie beim Malen) oft nicht klar erkennbar ist und auch keine Landkarte existiert, öfters aus der Tasche ziehen: Auch dazu möchte ich nach und nach einige Übungen anbieten.

– Und als Letztes: Was baut uns auf? Was nährt uns? Welche klare und gleichzeitig flexible Ordnung kann uns helfen, uns jeden Tag aufs Neue in unserer Mitte einzufinden, an der Quelle, an der wir ganz bei uns und gleichzeitig mit allem verbunden sind?

 

Diesen Fragen und Ressourcen möchte ich mich in den nächsten Blogbeiträgen widmen.

 

Die erste Ressource:
Weißbrot nach dem Augenmaß

In Zeiten der Wandlung, Auflösung und Neuordnung hilft es mir sehr, ein neues inneres Narrativ zu finden – eine passende Geschichte oder ein inneres Bild, das meinen inneren und äußeren Zustand in eine größere Perspektive setzt.
Wenn es euch so geht wie mir, habt ihr vielleicht schon euer heilendes Märchen oder Bild entdeckt. Ich freue mich, davon zu hören! Es kann ja sein, dass ich schon in der nächsten Woche ein neues, tragendes Narrativ brauche – die Wandlung ist gerade ziemlich beschleunigt, findet ihr nicht auch? Und da kann man gar nicht genügend Gedichte, Musik und heilende Worte in seinem Ränzl haben, als Ressourcen, die das starre Denken in die heilsame Wildnis schicken.

Hier das Gedicht, das mich gerade inspiriert:


Legende von der Entstehung des Buches Taoteking

auf dem Weg des Laotse in die Emigration

Bertolt Brecht

Als 70 war und war gebrechlich
drängte es den Lehrer doch nach Ruh
denn die Güte war im Lande wieder einmal schwächlich
und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.
Und er gürtete den Schuh.

Und er packte ein, was er so brauchte:
Wenig. Doch es wurde dies und das.
So die Pfeife, die er immer abends rauchte
und das Büchlein, dass er immer las.
Weißbrot nach dem Augenmaß.

Freute sich des Tals noch einmal und vergaß es
als er ins Gebirg den Weg einschlug.
Und sein Ochse freute sich des frischen Grases
kauend, während er den Alten trug.
Denn dem ging es schnell genug.

Doch am vierten Tag im Felsgesteine
hat ein Zöllner ihnen den Weg verwehrt:
„Kostbarkeiten zu verzollen?“ – „Keine.“
Und der Knabe, der den Ochsen führte, sprach: „Er hat gelehrt.“
Und so war auch das erklärt.

Doch der Mann in einer heitren Regung
fragte noch: „Hat er was rausgekriegt?“
Sprach der Knabe: „Dass das weiche Wasser in Bewegung
mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt.
Du verstehst, dass Harte unterliegt.“

Dass er nicht das letzte Tageslicht verlöre
trieb der Knabe nun den Ochsen an
und die drei verschwanden schon um eine schwarze Föhre
da kam plötzlich Fahrt in unsern Mann
Und er schrie: „He du! Halt an!

Was ist das mit dem Wasser, Alter?“
Hielt der Alte: „Interessiert es dich?“
Sprach der Mann: „Ich bin nur Zollverwalter
doch wer wen besiegt, das interessiert auch mich.
Wenn du’s weißt dann sprich!

Schreib mir‘s auf! Diktier es diesem Kinde!
Sowas nimmt man doch nicht mit sich fort.
Da gibt‘s doch Papier bei uns und Tinte
und ein Nachtmahl gibt es auch: ich wohne dort.
Nun, ist das ein Wort?“

Über seine Schulter sah der Alte
auf den Mann: Flickjoppe. Keine Schuh.
Und die Stirne eine einzige Falte.
Ach, kein Sieger trat da auf ihn zu.
Und er murmelte: „Auch du?“

Eine höfliche Bitte abzuschlagen
war der Alte, wie es schien, zu alt.
Denn er sagte laut: „Die etwas fragen
die verdienen Antwort.“ Sprach der Knabe: „Es wird auch schon kalt.“
„Gut, ein kleiner Aufenthalt.“

Und von seinem Ochsen stieg der Weise
7 Tage schrieben sie zu zweit
und der Zöllner brachte Essen (und er fluchte nur noch leise
mit den Schmugglern in der ganzen Zeit)
Und dann war’s soweit.

Und dem Zöllner händigte der Knabe
eines Morgens 81 Sprüche ein.
Und mit Dank für eine kleine Reisegabe
bogen sie um jene Föhre ins Gestein.
Sagt jetzt: kann man höflicher sein?

Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Darum sei der Zöllner auch bedankt:
Er hat sie ihm abverlangt.

 

… aus diesem Gedicht stammt auch der Titel dieses Beitrags – und meine Absicht, in diesem und den folgenden Beiträgen verschiedene Ressourcen vorzustellen. Zum Beispiel “das Büchlein, das ich täglich lese” (ich möchte in lockerer Folge Bücher vorstellen, die mich in spirieren), und Gedichte, Texte, Anregungen und übungen.
Hier eine Notfallübung für das Schattenkind:


Die zweite Ressource:

Eine Übung für Schattenkinder bei Angst und Dämonen

 

Bei mir kommen die Ängste und Dämonen meistens nachts, und meiner Erfahrung nach begegnet man ihnen am besten mit Liebe – Liebe zu einem selbst, und zu dem, was gerade passiert und wie es sich anfühlt. Die folgende Übung hat mir (und vielen anderen) immer wieder geholfen, den inneren Kampf zu beenden und zur Ruhe zu kommen.

Falls ihr sie ausprobieren mögt – hier ist eine Audiodatei, die euch durch die Übung führt:

 

Das obige Bild habe ich für ein neues kleines Buch mit Meditationen und Übungen gemalt, das ich bis zum Sommer als e-Book herausgeben möchte. Ihr werdet erfahren, wenn es fertig ist!

 

In meinen nächsten Blog-Beiträgen werde ich weitere Ressourcen vorstellen – solche, die mich gerade anregen, oder die mir und den Leuten in meinen Kursen und Sitzungen geholfen haben. Vielleicht passt die eine oder andere ja auch für euch. Und falls ihr spezielle Wünsche habt, schickt mir bitte eine Mail!

Kreativität braucht Erdung

In den letzten Wochen habe ich drei neue Blogbeiträge begonnen – jeweils mit einer anderen Ausrichtung, einem anderen Thema im Sinn – und alle wieder verworfen. Keiner von ihnen hatte genug Energie, um mich bis zum Schluss zu tragen, alle drei langweilten mich schon nach den ersten paar Absätzen.

Doch es waren nicht die Ideen oder Themen, denen es an Energie mangelte. Nein, mir selbst fehlte es an der nötigen Lust, wirklich bis zum Ende dranzubleiben. Und darauf möchte ich etwas genauer eingehen, weil das ein Phänomen ist, das in der Kreativität  so häufig auftaucht: Wie können wir unsere Lust und unsere Motivation wiederfinden, wenn sie zeitweilig verloren scheinen? Und was hatte meine Auszeit mit meiner Unlust zu tun?


Meine Auszeit

Meine Auszeit begann Ende des Jahres damit, dass ich den größten Teil meiner Kurse absagte, erstmal keine neuen plante und auch andere Verpflichtungen reduzierte, um Raum zu schaffen für Erholung und süßes Nichtstun: Regenerieren, Kraft tanken, den tibetischen Gebetsfahnen auf meinem Balkon bei der langsamen Auflösung zusehen. Tee trinken. Alles mal laufen lassen und warten, welche neuen Inspirationen nach und nach auftauchen. Wunderbar!

Doch befreit von allen Zwängen erlebte ich auch, wie leicht meine Eigenmotivation, meine Spielfreude, meine kreative Lust verpufften, wenn es keinen vorgegebenen Rahmen gab, der mir half in die Gänge zu kommen und dran zu bleiben.

Es war toll, eine Weile nichts zu tun, doch schon bald fehlte mir die Freude am kreativen Spiel, am Entwerfen neuer Kursformate, am Austausch mit den Kursteilnehmerinnen und am Beginnen und Beenden kleiner kreativer Projekte (zu denen ich auch diesen Blog zähle). Und ich merkte, dass ich, um  in die Gänge zu kommen, wieder eine eindeutige Ausrichtung und eine klare Struktur brauchte, von der Art, wie sie mein laufender Seminarbetrieb mit sich gebracht hatte. Nur eben anders, nicht so festgelegt, freier, offener… Und mein nächstes kreatives Werk musste sein, eine für mich stimmige neue Struktur zu erschaffen.


Wie bei einem neuen Bild

Das gilt für die Kreativität und das Leben gleichermaßen: Manchmal will oder soll etwas ganz Neues beginnen, und das beginnt meistens mit der Lockerung des Alten und vielen schönen Ideen, Visionen, Plänen.
Plänen für die Umsetzung von lauter tollen neuen Projekten die wir immer schon mal realisieren wollten: Eine spezielle Diät, eine regelmäßige Schreib- oder Mediationspraxis, ein kleines oder großes kreatives Projekt…

Doch damit unsere Visionen auf fruchtbaren Boden fallen können, brauchen wir eine klare Ausrichtung und gute Strukturen – und die können wir uns nicht einfach aus dem Kopf verordnen und dann brav befolgen. Das führt nur zu bald zu innerem Widerstand.
Es führt zu innerem Widerstand, weil wir laute wichtige Anteile unseres Wesens nicht befragt haben, ob sie einverstanden sind und mitmachen wollen!

Das holen wir nach, indem wir uns zuerst in der Gegenwart erden.
Uns wieder auf unseren Körper, unser Fühlen, unser Sein einstellen.
Auf sie lauschen, mit ihr schwingen.
Ihre Botschaften empfangen.
Und all unsere Pläne und Strukturen auf diesen Prüfstand stellen.
Sie mit unserer Intuition und unserer Seele abgleichen: Sie müssen unseren innersten Bedürfnissen entsprechen.

Ganz konkret heißt das:
Genau wie beim Beginn eines neuen Bildes ist es auch im Leben immer wieder nötig, unsere Pläne und Erwartungen kurz mal loszulassen, unser Wissen beiseite zu legen und im gegenwärtigen Moment, in der Tiefe unseres Wesens, bei uns selbst anzudocken. Hier können wir die feinen Signale unserer Intuition wieder empfangen und hören, was sich unsere Ganzheit wünscht.
Inspirationen, die wir auf diese Weise empfangen, sind im Einklang mit uns, und sie umzusetzen ist nie anstrengend. Sie bringen uns wieder in Fluss.


Selbst-Motivation braucht Erdung

Nun, genau diese Art der Orientierung brauchte ich auch, und ich bin froh, dass sie sich so bald zeigte.
Und ich gelobe hier, öffentlich, dass ich sie jeden Tag aktiv einlade werde, um mit ihrer Hilfe zu sehen, welche neuen Strukturen sich enthüllen wollen, die ich umsetzen und kreativ mit Leben füllen darf. Die Zeit der Lustlosigkeit ist vorbei. War auch mal schön, aber auf Dauer zu unlebendig.

Also liebe Leserinnen und Leser – mein Körper, meine Seele und mein Energiefeld lassen euch ganz herzlich grüßen! Ohne den Druck, endlich mal wieder einen Blogbeitrag auf die Reihe zu bringen, hätte ich wahrscheinlich viel länger für diese Klärung gebraucht. Und sie hat auch dazu geführt, dass ich in diesem Jahr vier Maltage anbieten werde, um meine Auszeit etwas zu würzen. Auch meine Schreibwerkstatt geht weiter, in meinem Newsletter und auf meiner Website findet ihr weitere Infos.


Vier Elemente

Eine weitere kleine Struktur bot sich an:
Mit diesem Beitrag beginnt eine Serie über die 4 Elemente in der Kreativität. Dieses Mal war die Erde dran, und nächstes Mal … die leere Leinwand wird es mir sagen!

Hier auch noch eine Übung dazu, einige kennen sie vielleicht schon:
Sie heißt “Vorbereitung zum Malen”, gilt aber genauso für neue Schritte im Leben. Einfach zuhören und sich berühren lassen!