Kreisen um eine Mitte

In dem kleinen, naturnahen Dorf im Alpenvorland, in dem ich lebe, fehlt es mir meistens an nichts.
Eine gemütliche Wohnung, ein einladendes Atelier und darum herum die grenzenlos lebendige und stille, sich ständige wandelnde Natur. Dazu so viele freundliche Menschen – und jetzt sogar ein wirklich nettes Café, in dem ich regelmäßig aufkreuze. Auch um zu schreiben und meine Zeichenübungen zu machen. Hier ein Ausschnitt aus einer Übung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da sitze ich dann an einem kleinen Cafétisch, wahlweise mit einem Earl Grey-Tee oder einem Milchkaffee, hole mein iPad heraus und lege los.

Alleine die Menschen zu betrachten und mit Sekundenskizzen einzufangen ist eine spannende Übung:
Plötzlich fühle ich mich wieder exakt wie die junge Paro (damals Tina), die es liebte unterwegs zu sein, oft per Anhalter, und die immer einen kleinen Skizzenblock und Stifte dabeihatte.

Ich spüre wieder ihre Träume, ihre grenzenlose Neugier auf das Leben, ihre Begeisterung und ihre jugendliche Ahnunglosigkeit. Wenn sie hier jetzt auftauchen und sich mit ihrem kleinen Block an den Nebentisch setzen würde, dann würde ich sie so sehr lieben, wie ich mich damals selbst noch nicht lieben konnte…
Solche Momente sind große Geschenke, sie bringen viele Energien und Erkenntnisse in Bewegung. Sie nähren mich und fördern meine kreativen Prozesse, die wiederum in meine Kurse einfließen.
Was will ich also mehr?

Nun, manchmal fehlt mir – der einstigen passionierten Einzelgängerin – mein Rudel aus Gleichgesinnten, meine Sangha: Menschen, die auf einem ähnlichen Weg sind, die mich anregen, spiegeln und zum Höchsten, Besten, Wahrsten herausfordern, das sich in mir entfalten will.

 

Kreisen um eine Mitte

Zum Glück gibt es das Internet – diesen magischen Zugang zu all den kreativen und spirituellen Schwestern und Brüdern, meinen LehrerInnen und Vorbildern, zu Kursen, Übungen, Meditationen, Filmen … und dort stieß ich vor Kurzem auf diesen kleinen Film über den japanischen Künstler Kazuaki Tanahashi, der mich noch lange beschäftigte:

Natürlich begann ich auch sofort wieder Kreise zu malen (wie ich es früher stundenlang konnte). Wenn der Anspruch wegfällt, großartige, womöglich sogar erleuchtete Kunst zu machen, ist das eine der schönsten Übungen!

Ich male also jetzt viele, viele Kreise – mit dem iPad, mit verschiedenen Stiften, mit Pinsel und Farbe. Und dabei fällt mir auf, dass die Kreise von mir fordern, erstmal tief durchzuatmen, mich aufrecht hinzusetzen, die Schultern, Arme und Hände zu entspannnen und die Augen weich werden zu lassen. Schön! Das tut so gut! Übergehe ich diesen Schritt, verstärken sich meinen inneren Spannungen.

Ihr merkt, das wird jetzt eine Anregung zum Ausprobieren und Üben: Falls euch meine Erlebnisse inspirieren (ihr braucht ja auch Inspirationen, genau wie ich), schaut euch den Film an! Und vielleicht bekommt ihr sogar Lust, ebenfalls auf der Stelle zu kreisen, mit Farbe, Pinsel, Stiften, und dem kostbaren Moment in der Gegenwart (und euch selbst) auf kreative, liebevolle Weise näher zu kommen.

 

… und zwischendurch mal ein 5-Minuten-Mandala 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

… und noch eins!

 

 

 

 

 

 

 

 


Vor dem Malen oder Schreiben

Das Mal-Kreisen ist übrigens auch eine wunderbare Übung, um vor einer Mal- oder Schreibsitzung umzuschalten in der Kreativmodus. Früher habe ich oft meine Kurse so begonnen: Beim Kreisen mit ein, zwei oder drei Farben kommen wir langsam in der Gegenwart an und im einfachen, entspannten Tun.

Das kann zuerst langweilig scheinen, man wird unwirsch, will etwas anderes, „anspruchsvolleres“ tun, andere Formen probieren, mehr Farben verwenden – lauter Versuche, dem Einkreisen dieser… und dieser… Gegenwart zu entrinnen und die Begegnung mit der eigenen Ungeduld zu vermeiden.
Was tun? Einfach weitermachen! Eine Viertelstunde sollte es schon sein, idealerweise länger. Ich kannte vor Jahren eine Frau, die sogar Tageskurse mit dieser einzigen Übung anbot: „Malen und Meditation“. Sie muss das sehr gut gemacht haben, denn alle TeilnehmerInnen waren zum Schluss aufs Schönste verwandelt: Hell, leicht, offen und unglaublich albern!

 

Probiert es aus!
– 5 Minuten kurz,
– 15 Minuten lang oder noch viel länger,
– mit offenen – und (ganz besonders spannend) mit geschlossenen Augen !

– Vor dem Malen,
– Vor dem Schreiben,
– Vor dem Schlafengehen
– und morgens, zum Ankommen in der eigenen  MITTE

 

 

 

 

Paros Staubfabrik oder Here Comes the Sun

Paros Staubfabrik
Immer Montags kommt Ümmü, meine Putzfrau. Obwohl – Putzfrau ist eigentlich sehr eingeschränkte Bezeichnung für das, was sie in zwei Stunden mit Besen und Wischmop leistet: Sie führt einen unerbittlichen Kampf gegen die mysteriöse Staubfabrik, die irgendwo in meinen Räumen Tag und Nacht Berge von Flusen und Spinnweben erzeugt. Ein stehender Witz zwischen uns beiden:

Ümmü: Paro, sooo viel Staub!
Paro: Ja, die Fabrik hat ihre Produktion wieder gesteigert.

Es tröstet mich, dass es überall diese geheimen Fabriken zu geben scheint: Das weiß ich noch aus der Zeit, als ich selbst ein, zwei Jahre lang Wohnungen geputzt habe. Sie mahlen und rattern still vor sich hin und keiner weiß, wo und wie man sie abstellt. Man muss halt ab und zu putzen…

Gedankenstaub
Aber das ist nicht die einzige Staubfabrik, mit der wir es in unserem Leben zu tun haben. Eine weitere, viel perfidere Staubfabrik scheint sich in unserem Kopf zu befinden. Sie produziert massenhaft nutzlose Gedanken, ob wir es wollen oder nicht.
Gedanken an eine vorgestellte Zukunft, gemischt mit Sorgen, Plänen, Befürchtungen und Hoffnungen.
Gedanken an eine selektiv erinnerte Vergangenheit, gemischt mit Bedauern, Schuldgefühlen, Sehnsüchten und  Groll. Gedanken, die unser Innerstes besiedeln wie der Staub meine Wohnung, und aus denen nie irgendeine entschiedene Aktion entsteht. Dafür sind sie zu vage, zu unklar, zu automatisch, zu unbewusst.
Trotzdem haben sie die Macht, unser Lebensgefühl mit einer Art Grauschleier zu überziehen, der unsere klare Wahrnehmung, unsere innere Freude, unsere Fähigkeit zu positiver Entschiedenheit überdeckt.

Zwei Arten von Denken
In meinem letzten Kurs haben wir darüber gesprochen, dass Denken nicht gleich Denken ist.
– Da ist zum einen der Monkey-Mind, die automatische Staubmaschine, die uns mit ihrem ständigen Rattern alle Energie raubt.
– Und da ist zum anderen unsere klare, mit Bewusstsein und Freundlichkeit gepaarte Denkfähigkeit, die es uns erlaubt, festzustellen, dass wir uns mal wieder der Staubfabrik ausliefern – in der Hoffnung, dabei auf irgendeine Weise Trost, Sicherheit, Geborgenheit zu finden.
Das klare Denken hat aber auch die Größe zu überblicken, dass so etwas halt passiert im Leben – und vielleicht noch öfter passieren wird. So lernen wir mit der Zeit, uns nicht auszuschimpfen und noch mehr anzuspornen, sondern liebevoll zu reagieren: „Du Arme, mal wieder ganz voller Staub! Wie wäre es, einfach mal JA dazu zu sagen – und dann zu sehen, was geschieht?“

Hier eine Übung dazu:

Eine Übung zum Ausprobieren. Jetzt gleich
Wir verabreden uns mit uns selbst zu einer Übung, trauen uns, einen mutigen Sprung zu tun: In diese Gegenwart hinein, egal, was alles noch unerledigt ist. Darum können wir uns später kümmern. Später, mit frischer Kraft und klarem Überblick!

Oder vor dem Malen oder Schreiben
Die Übung ist auch extrem hilfreich vor dem Malen oder Schreiben. Besonders, wenn wir nicht sehr inspiriert sind oder auf eine Mauer aus Unlust stoßen.


Hier die Übung:

Besinne dich auf den gegenwärtigen Moment,
schalte dein inneres Lächeln ein,
das deinen ganzen Körper mit seinem Leuchten erfüllt
wie eine freundliche Sonne.

Wie die Sonne am Himmel, die alles und jeden ohne Unterschied mit ihrem Licht berührt,
umhüllt dein inneres Lächeln das Rattern, die Unruhe, die Grauschleier, die Enge und die Schwere
genauso wie die Freude, die Weite, die Inspiration… alles interessant, alles Energie.

Nichts muss sich ändern!
Du umarmst die Energien, die dir hier und jetzt  zur Verfügung stehen – und nicht die fantasierten Energien, die eigentlich „da sein sollten“.
Du spürst sie, atmest mit ihnen, weckst ihre Lebendigkeit
und malst los mit dem, was du vorfindest.


Oder du holst dein Schreibzeug heraus und übst eine Runde Jetzt-Schreiben!
Schreibst so lange, bis dich dein Schreibfluss einholt.
Würdigst das Wunder dieses gegenwärtigen, einzigen Moments, dieses kostbaren Lebens.

 

Der Sommertag

Wer hat die Welt geschaffen?
Wer hat den Schwan geschaffen, und wer den schwarzen Bären?
Wer hat die Heuschrecke geschaffen?
Diese Heuschrecke, meine ich –
die, die sich aus dem Gras erhoben hat,
die, die Zucker aus meiner Hand frißt,
die ihren Kiefer vor und zurück, statt auf und nieder bewegt –
die sich umschaut mit ihren riesigen, komplizierten Augen.
Jetzt hebt sie ihre blassen Vorderarme
und wäscht sich gründlich ihr Gesicht.
Jetzt klappt sie ihre Flügel auf
und schwebt weg.
Ich weiß nicht genau,
was ein Gebet ist.
Ich weiß nur, wie man aufmerksam ist,
wie man hinfällt
ins Gras hinein, wie man sich im Gras niederkniet,
wie man müßig und gesegnet ist, wie man durch die Felder streunt,
denn das ist es, was ich den ganzen Tag lang getan habe.
Sage mir, was hätte ich sonst tun sollen?
Stirbt nicht alles zu guter Letzt, und viel zu schnell?
Sage mir, was hast Du vor
mit Deinem einen, wilden, kostbaren Leben?

Mary Oliver

Durch das goldene Tor

In der Zeit „zwischen den Jahren“ genehmige ich mir viele, viele Momente im Bett. Gemütlich mit Tee, Büchern, Filmchen und den leckeren, selbstgebackenen Keksen, die mir meine Freundinnen schenken.

Ich stöbere auch auf Websites, die ich liebe, weil sie mich auf wunderbarste Weise beleben und inspirieren (wie es mein Blog für euch hoffentlich auch tut!). Und da stoße ich gleich zu Anfang auf eine Perle – einen Beitrag des weisen Autors und Zen-Lehrers John Tarrant, den er mit einem kurzen Blick auf das Leben Buddhas beginnt. In meinen Worten zusammengefasst:

Aufgewachsen als Königssohn in einem Palast, wurde Siddartha Gautama von seinem Vater hinter hohen Mauern vor jeglicher Berührung mit der Außenwelt geschützt. Vier Aspekte des Lebens sollte er nie zu sehen bekommen: Kranke, Alte, Tote und Pilger auf dem Weg zur Erkenntnis.

Vor seiner Geburt war geweissagt worden, dass er entweder zu einem großen König heranwachsen oder – wenn er dem Leid der Welt begegnete – ein Weiser werden würde. Zweiteres wollte der Vater mit aller Macht verhindern, aber wir wissen schon, was passieren wird: Der Prinz wird irgendwann neugierig auf das Leben und ist selbst durch die dicksten Mauern nicht mehr davon abzuhalten, den Palast zu verlassen.

Was ihm draußen begegnet, prägt wie vorhergesagt seinen weiteren Weg und macht ihn zu dem zeitlosen Weisen, der noch heute so viele Menschen leitet und inspiriert.

Das Verlassen der bequemen und scheinbar geschützen Welt des Palastes wird zum Beginn eines Weges der Erkenntnis.

 

Die Dinge erscheinen
von selbst

Das kennen wir auch – beginnt doch jede unserer Erfahrungen eines tieferen, wahreren Lebens immer wieder mit einem ersten mutigen Schritt ins Unbekannte. Dem Schritt durch ein inneres Tor, über den John Tarrant in seinem Text sagt:

„Es gibt ein Tor im Geist, das aus dem Palast herausführt, der einem inzwischen wie ein Gefängnis vorkommt.
Die Räume auf der anderen Seite dieses Tores sind von Stille erfüllt. Nichts geschieht hier, außer dem, was geschieht. Hier gibt es keine Eile, kein Drängen, nichts wird gebraucht außer dem, was hier ist.
I
n dieser Stille und Einfachheit erscheinen die Dinge von selbst und leuchten aus sich heraus.
Und obwohl ich es genieße, das zu sehen, beeinflusse ich es nicht; es ist nicht etwas, das kontrolliert werden kann. Die Hilfe kommt unerwartet.“
Und:
Später, während eines Retreats erzählte mir eine Frau, dass sie beim Singen sehen konnte, wie das Universum erschaffen wurde, wenn ihr die Noten aus dem Mund strömten“
John Tarrant, Zenosaurus-Blog, übersetzt von mir)


Durch das goldene Tor
Dieselbe Erfahrung kenne ich auch beim Kursleiten, und zwar immer dann, wenn die Teilnehmerinnen und ich ein starkes gemeinsames Resonanzfeld teilen: Ich erkläre einen bestimmten Sachverhalt und beobachte auf einmal, wie „meine“ Worte beim Reden ganz von selbst Form annehmen und erhellende Geschichten bilden, die ich so noch nie gehört habe. Ich beobachte das Universum beim Entstehen.
Auch die Teilnehmerinnen erleben Ähnliches, wenn sie beim Malen oder Schreiben ab und zu ihren ganz eigenen FLOW erleben und „ES“ malt oder schreibt: Die Schöpfung schöpft sich selbst. Wir beinflussen es nicht. Es ist nicht etwas, das kontrolliert werden kann. Die Hilfe kommt unerwartet.

Deshalb gehören das Malen, das Schreiben und das Leiten von Kursen auch zu meinen Lieblingsmeditationen; deshalb gebe ich sie so gerne weiter: Sie laden uns ein, das Tor aus dem Palast unserer alten Gewohnheiten und Sichtweisen zu durchschreiten.

Wenn wir das live erleben, ist es plötzlich ganz einfach – aber ein alter Knick in der Pupille hält uns immer wieder gerne davon ab, das Tor überhaupt zu sehen. Aus alter Gewohnheit hängen wir an den „sicheren“ Palastmauern. Wollen uns natürlich auch vor dem, was draußen ist, schützen: Alter, Krankheit, Tod… wer will das schon freiwillig bejahen.
Doch unsere Weisheit, die uns das Wunder überhaupt erst erkennen lässt, wächst ganz besonders auf unseren Abenteuerreisen jenseits des Tore, im Unbekannten.


Miteinander
Also treffen wir uns zum Malen, Schreiben, Meditieren. Wir erschaffen ein gemeinsames Klima, in dem es einfach ist, das Tor zu durchschreiten und allem zu begegnen, was uns dieses Mal begegnet – in Liebe, mit Neugier und Abenteuerlust.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während ich das schreibe, denke ich, was für ein Glück ich doch habe, mich mit meiner Arbeit auf diese Weise selbst zu unterstützen (und damit meine ich jetzt nicht das – natürlich nicht unwichtige – Geld, das ich verdiene): Ich mache Termine fest für Kurse, und bin damit gezwungen, regelmäßig den Palast meiner ablenkenden, bequem erscheinenden Verhaltensweisen – meine Komfortzone – zu verlassen und mich dem brausenden Leben zu stellen.
Und je öfter ich das tue, desto besser weiß ich aus Erfahrung, dass alle Monster, die ich da draußen (bzw. in meinem Inneren) fürchte, bereit zur Verwandlung sind. Das kennen wir aus Märchen – und das größte, sich ständig weiter entwickelnde Märchen ist unser eigenes, lebendiges Leben.

Kleine Herauforderung
Wie? Du findet das Tor, den Zugang nicht?
Kein Problem: Eine neue kleine Mal/Schreibaufgabe findest du in meinem aktuellen Newsletter. Probier sie aus!
Ach so, du hast keine Zeit fürs Malen, Schreiben, Meditieren…
Dachte ich mir schon – das passiert mir nämlich auch ständig!
Deshalb möchte ich dir ein Geschenk machen: Eine Stundenblume, wie sie Momo bei Meister Hora, dem Hüter der Zeit erleben darf.

Da ist sie!

 

Diese spezielle Stundenblume hat die Fähigkeit, dein Zeitgefühl zu verändern, zu dehnen, auszuweiten in viele, viele Momente der Unendlichkeit.

Zum Abschluss ein paar Live-Inspirationen – direkt aus meinem letzten Kurs in diesem Jahr (Flow 3). Drei Teilnehmerinnen haben mir ihre Texte zur Verfügung gestellt, die bei einer kreativen Schreibübung zum Thema „Die Zeit beim Malen“ entstanden. Mit ihnen möchte ich diesen Beitrag abschließen – ich finde sie sehr inspirierend, und vielleicht werden einige von euch ebenfalls beim Lesen angesteckt!

Ein Frohes Neues Jahr wünscht Paro 🌸

 

Die Zeit

Was ist schon die Zeit?
Ein Treiber, ein Folterknecht, ein mit erhobenem Finger hinter einem her rennender Gesell.
Wie Knecht Ruprecht mit der Rute.
„Ruprecht alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell…“
Wie schön, wenn die Zeit mal nicht der Feind ist!
Ein schöner Gedanke: Zeitlos in  den Tag zu leben, was für eine Erleichterung!
Beim Malen verrinnt die Zeit, doch sie fühlt sich freundlich an. Nicht drohend, nicht hetzend, nicht gegen mich. Sie fließt unbemerkt sanft dahin. Zeitlos schön.
Wie schön, wenn etwas so tief geschieht, dass man losgelöst ist von der Zeit.
Losgelöst vom ständigen Ticken der Zeiger. Losgelöst vom Nächsten und wieder Nächsten.
Ist es ein Luxus, sich von Zeit zu Zeit von der Zeit zu lösen?
Habe ich nicht selbst die Freiheit, mich dafür zu entscheiden?

Wie beim Malen und Schreiben doch die Zeit vergeht…

Nadja S.

 

Was beim Malen mit der Zeit passiert
Was ist Zeit überhaupt?
Ein Wort.
Von Menschen gemacht.
Jeder redet davon.
Hat keine Zeit.
Dabei haben wir gar keine Zeit!
Sie kann sich auflösen – nicht existieren – zum leeren Wort werden,
wenn wir ganz bei uns sind, uns verlieren im Augenblick, im Jetzt… wie beim Malen.
Malen ist zeitlos, wenn wir eintauchen und es zulassen, dass wir in den Fluss kommen,
ohne Kontrolle, ohne Ziel.
Dann gibt es nur diesen Augenblick.
Und diesen.
Zeit, was war das überhaupt?
Siegrun Rapp

Was beim Malen mit der Zeit passiert

„Was ist schon Zeit“ sagt das Kind, dreht sich um und spielt weiter. Was haben die Erwachsenen nur immer für komische Wörter.

„Oh, hier klebt ja ein Kaugummi unterm Tisch…. wo ist nur der Kater wieder hin, vielleicht drüben bei Oma.

Hallo Oma, ist Blacky da? Oma fragt: „willst Du malen? Hier habe ich neues Papier.“ Toll, es ist rosa. Ich male ein Schweinchen darauf. Es hat gar keinen Ringelschwanz, sondern einen Pferdeschwanz. Das sieht lustig aus.

Opa kommt. Er erzählt wieder mal eine Geschichte. Sie handelt von einem Pferd, das einen Ringelschwanz hat und fliegen kann. Das ist witzig.

Ich male weiter und weiter. Schon schaltet Oma das Licht an und sagt: „es wird bald Zeit. Du musst nach Hause. Deine Mama hat gerade angerufen – es gibt Abendessen“.

Schon wieder heim, schade. Und: Blacky, den Kater, hab ich immer noch nicht gefunden. Dafür Tiere mit lustigen Schwänzen gemalt.

Was beim Malen mit der Zeit passiert? Sie vergeht, man merkt es nicht. Rosa Malpapier, Oma und Opa, inzwischen brennt eine Kerze und das Feuer im Ofen ist schon an. Vor mir liegt ein bunt bemaltes Stück Papier und ich muss bald heim, weil es schon dunkel geworden ist.

Morgen komme ich wieder….. ja, was ist schon ‚Morgen’ – habe ich Zeit zum Malen und wie lange…..? Tiere brauchen eben so lange, wie sie brauchen. Die mit den großen Ohren brauchen manchmal so lange, bis mein Magen knurrt. Und ich habe ganz vergessen, dass ich bei Oma und Opa bin und nicht zu Hause.

Was passiert mit der Zeit beim Malen?

Sie findet gar nicht statt, oder hast Du sie schon mal gesehen?

Petra V.

Copyright der Bilder:
1. Pari Peter Spindeldreier
2. Pari Peter-Spindeldreier
3. Paro Bolam