Stardust

Auf dem Weg zur Post denke ich, nachher werde ich mal wieder was in meinem Blog posten. Und was beschäftigt mich? Zugvögel, die ihre Zelte abbrechen und sich auf den Bäumen rund um meinen Garten zur Südreise treffen. Das hat was mit mir zu tun.
Aber nein – Zelte abbrechen will ich noch nicht, nur verkleinern. Nach vielen Jahren Schulaufbau, Vergrößerung, Erweiterung ist seit einer Weile die Zeit für Verkleinerung, Verfeinerung, Verringerung gekommen. Andere gehen in Rente – ich bin dabei, mein Outfit langsam wieder schrumpfen zu lassen. Weniger Kurse (die aber immer mehr leuchten), weniger Ausgaben, weniger Einnahmen, mehr Muße. Das ist so gegen den allgemeinen Trend in dieser Welt, dass ich manchmal ganz hilflos bin. Sobald ich auf automatisch schalte, drängt mich alles in die Expansion.

Bei der Post angekommen werfe ich die Karte an Unicef ein, Weihnachtspostkarten bestellen. Da kommt plötzlich der 2012-Gedanke daher und verunsichert mich: Weihnachten ist vielleicht nichts und niemand mehr da.

Ab und zu will mich dieser Gedanke testen, denke ich, und gehe hinauf zum Feldweg, wo man den schönen Blick über das Dorf hat. Links der Straße sehe ich die Kürbisse, die ein Bauer auf seinem Hofplatz zum Verkauf anbietet. Halloween, denke ich und sehe herbstliche Feste, schmecke Maroni, freue mich auf Freunde, Innigkeit, Wärme. Und wenn alles vorbeigeht – und es geht ja irgendwann alles vorbei – habe ich da früher nicht immer gesagt: Dann erst recht? Diesen Augenblick feiern? Jetzt umso mehr da sein?

Da packt mich plötzlich das Jetzt mit Macht und ich sehe voller Liebe zwei alte Leute, die ihren Balkon aufräumen, einen Mann, der die Holzbretter seiner Garage mit Lack anstreicht, diesen Pinselstrich, die Farben, diesen Moment… und komme näher und höre, dass auf dem kleinen Transistorradio, das an der Garage hängt, gerade der alte Crosby Stills and Nash-Klassiker spielt (oder war das Joni Mitchell?): “We are Stardust / We are Golden / And we’ve got to get Ourselves / Back to the Garden…” Und ich alter Hippie beginne mitzusingen und spüre den Sternenstaub in mir, den Stardust. Golden. Ein Geheimnis.
Unter mir das Dorf und ich genieße das Gefühl, mal wieder gar nichts zu wissen und auch gar nichts wissen zu müssen…

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