Kreative Rhythmen und das Innere Team 1

Im letzten Beitrag habe ich über die verschiedenen Rhythmen in der Kreativität gesprochen, sie beschäftigen und interessieren mich zurzeit verstärkt.

Um die unterschiedlichen Rhythmen besser zu verstehen und im eigenen Leben wahrzunehmen, kann man sie sich als innere Personen vorstellen: Da ist zum einen das Innere Kind mit seiner grenzenlosen Offenheit, seiner Neugier, seiner direkten Verbindung zur schöpferischen Quelle. Und da ist unsere Achtsamkeit (von mir auch META genannt), und von den beiden möchte ich heute erzählen (später werden andere folgen).

 

Das Innere Kind

 

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Unser inneres Kind hat viele Seiten und Eigenschaften, die die meisten von euch sicher kennen, deshalb werde ich sie hier nicht noch einmal aufzählen. Wenn wir das Kind in unsere Leben einladen, helfen uns seine kreativen Eigenschaften, mit unserer ursprünglichen, spontanen Kreativität in Kontakt zu sein.

Obwohl wir keine Kinder mehr sind und viele andere innere Persönlichkeiten entwickelt haben, bleibt es immer ein Teil von uns.
Ein Teil, der uns verzaubern, beglücken und von engen Vorstellungen befreien kann. Er kann uns aber auch behindern, wenn wir ihn ständig übergehen und missachten.

Aus “Gib mir Zeit” können Trotz, Widerstand und Resignation werden, aus dem offenen, spielerischen Kind ein verstocktes und trauriges kleines Wesen, das alle unsere “kreativen” Bemühungen sabotiert, um endlich zu bekommen, was es braucht: Liebe, Freiheit, Raum für seine unbändige Ausdrucksfähigkeit.

Um jedoch zu merken, dass unser inneres Kind (oder eine andere innere “Person”) blockiert, verdrängt oder ausgegrenzt ist, brauchen wir die Fähigkeit uns selbst klar und ohne Vorurteile zu sehen und wahrzunehmen. Wir brauchen Achtsamkeit.

 

Achtsamkeit

Seit einigen Jahren arbeite ich stets damit, Kreativität mit Achtsamkeit zu koppeln. Das hat viele Gründe.

Einer der wichtigsten: Ohne Achtsamkeit merken wir oft nur sehr spät (oder gar nicht), wie es in unserem Inneren aussieht und welcher kreative Rhythmus (welche innere Person) derzeit gebraucht wird und einbezogen werden will. Ohne Achtsamkeit übergehen wir zum Beispiel regelmäßig die Bedürfnisse des Inneren Kindes wie oben beschrieben. Zu unserem eigenen Nachteil.

Auch unsere Achtsamkeit kann als innere Person betrachtet werden, als eine Fähigkeit, die wir im kreativen Prozess dringend brauchen, und die wir üben können. Ich nenne diese innere Person META, weil sie die Fähigkeit hat, den großen Überblick zu wahren, die Meta-Ebene zu sehen, und ohne Identifikation mit irgendeiner Seite zu erkennen, was wirklich gerade geschieht.

 

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Sie entspricht der Instanz, die sich jenseits von alten Geschichten, festen Vorstellungen und eingefahrenen Meinungen darauf besinnt, was die Wahrheit des gegenwärtigen Momentes ist.
Was wir gerade wirklich fühlen, spüren, sehen, hören.
Was gerade wirklich Da Ist.

Sie kennt die anderen Mitglieder der kreativen Teams und sie erkennt auch das Bedürfnis nach einem Rhythmuswechsel. Ist uns der erforderliche Rhythmus nicht bekannt, weil er zu lange unterdrückt war (oder nie entwickelt wurde), hilft sie uns ins Unbekannte zu gehen und ohne feste Wegmarken neue Landschaften zu erkunden.

Eine Art mit dieser Fähigkeit in Kontakt zu kommen ist es, zu meditieren, das heißt, eine Form der Meditation zu üben, die uns für die Realität des gegenwärtigen Momentes öffnet und sensibilisiert.

Auch viele der Übungen, die ich hier und in meinem Buch vorstelle, haben die Absicht, uns – bevor wir uns einer kreativen Tätigkeit zuwenden – mit Meta in Kontakt zu bringen.

 

Der Abenteuerweg

Unsere Kreativität findet ein ideales Feld in uns vor, wenn wir unser Inneres Kind lieben und leben lassen, und wenn wir uns um wachsenden Achtsamkeit bemühen. Geleitet von diesen beiden absolut wahrhaftigen und immens mutigen inneren Gestalten sind wir bereit für den Abenteuerweg, den uns jede wirklich kreative Betätigung zumutet…

Weitere Teammitglieder werde ich später vorstellen!

Und ich freue mich, von euren Erfahrungen mit dem Kind und eurer achtsamen Instanz zu hören. Jeder von uns macht andere Erfahrungen, aber die Prinzipien, um die es geht, sind immer die gleichen!