Weiß, schwarz und grau

Die Sternsinger waren da und haben den Winter gebracht. Aus Regen wurde Schnee und der See friert langsam zu. Alles ist weiß, schwarz und grau. Seitdem ich älter bin, weiß ich, wie sich eine Winterdepression anfühlt: die grauen Tage lasten schwer, jeder Antrieb versackt in Nebelbergen, so etwas wie Frühling hat es nie gegeben. Das Fühlen versiegt, bis ich nicht mehr fühle, dass ich nichts fühle.
Das Leben aber ist Bewegung. Jeder Atemzug ist Bewegung. Jeder Impuls, jeder Herzschlag: Bewegung. Gefühle: Bewegung. Gedanken: Bewegung…
Da bewegt sich so viel in mir – und ich sitze erfroren und starr in meinem Elfenbeinturm und nehme es nicht wahr.
Und muss eigentlich gar nichts tun, gar nichts ändern (nicht mal rausgehen und Langlauf machen oder auf den vereisten Wegen schlittern, wenn ich nicht will), brauche nur meine inneren Bewegungen spüren, und schon löst sich meine Erstarrung, ich werde weich, ich fühle, ich lebe… Und wenn ich das, was ich fühle, nun gar nicht mag? Dann nehme ich es und schreibe, male, tanze, atme… und es bewegt sich auch, wie alles im Leben. Das ist Flow…

 

Warum Vertikal?

Den Verlauf der Zeit stellen wir uns linear oder horizontal vor: Von gestern über heute nach morgen, aus der Vergangenheit in die Zukunft, von dem, was war zu dem, was noch kommen wird. Und wir tun alles, damit das, was noch kommen wird, besser, schneller, schöner ist als das, was IST.
Das nennen wir Fortschritt. Alles soll immer besser werden, auch wir selbst. Das heißt, wie die Dinge und wir selbst jetzt sind, ist nicht so gut, wie die Dinge und wir selbst eigentlich sein könnten und sollten. Wir lehnen ab, was JETZT ist und wie wir JETZT sind, und bemühen uns, klüger, schöner, glücklicher zu werden. Das scheint das Normalste auf der Welt.

Es gibt aber noch eine andere Bewegung, und zwar vom Jetzt in ein tieferes Jetzt in ein tieferes Jetzt: Der mystische Weg in die Einheit und in das Geheimnis der Gegenwart. Eckhart Tolle schreibt in seinem Buch JETZT über nichts anderes.

Kreativ zu sein verlangt von uns, den vertikalen (Nicht-)Weg wieder kennen zu lernen und uns voller Entdeckerfreude auf ihn  einzulassen. Unsere Gesellschaft hat die Vertikale seit Jahrhunderten vernachlässigt. Ziele, Pläne, Mehrung, Fortschritt standen und stehen im Zentrum aller Bestrebungen. Für den kreativen Prozess ist das die falsche Richtung.
Nicht ohne Grund wurden die meisten großen Künstler der Neuzeit als Rebellen gesehen: Sie schwammen gegen den Strom der Horizontale.

Wahre Kreativität braucht die Vertikale. Deshalb haben diese Betrachtungen auch den Titel vertikal – der kreativblog. Mehr dazu im nächsten JETZT…

Erster Blog-Artikel

Zwischen den Jahren: Urlaub an der Ostsee, ganz oben auf der Landkarte. Im Hotelzimmer sitze ich am Schreibtisch und arbeite an dieser neuen Website, damit sie zum neuen Jahr ans Netz kann. Fragen über Fragen: Welche Schrifttype nehme ich? Füge ich noch mehr Fotos ein? Wie ändere ich den Kurskalender?
Und: Ist das noch Urlaub?
In meinen Kursen gebe ich den Teilnehmern manchmal Übungen, die ihnen helfen, ihre Intuition zu befragen statt den Kopf, der an Perspektivmangel leidet. Und in letzter Zeit denke ich immer öfter daran, diese Übungen auch bei Fragen des täglichen Lebens zu nutzen.
Also, liebe Intuition: Ist das noch Urlaub?
Intuition: Nein!
Paro: Und was soll ich stattdessen tun?
Intuition: Rausgehen, den Wind um die Nase wehen lassen.
Paro (zögernd): Ist aber dunkel draußen.
Intuition: Vertraust du mir nun, oder nicht?
Paro: Ich geh ja schon – aber nur ein paar Schritte. 

Und: Wenn hier nicht bald ein weiterer Eintrag erscheint, bin ich auf Anraten meiner Intuition zwischen Weihnachten und Neujahr in Mecklenburg-Vorpommern im Dunklen in einen See gestürzt.