Jetzt malen

Malen ist immer JETZT – wenn wir malen, sind wir in der Gegenwart. Das gilt natürlich für alles im Leben. Auch beim Singen, Einkaufen, Essen, Arbeiten, Lieben, Tanzen sind wir in der Gegenwart.
Doch unser Verstand überzieht unser gegenwärtiges Sein zu gerne mit einem Schleier. Wir sind nicht richtig da.

Wenn wir beim Malen abwandern, verlieren wir den Kontakt zu unserer Quelle, der schöpferischen Kraft. Entweder wir sind eins mit ihr (und mit uns selbst) und malen eifrig, vertieft und hingerissen – oder wir wenden uns von ihr ab und begleiten jeden Strich, den wir tun, mit Kommentaren, Urteilen, Plänen, Zielsetzungen, Vergleichen und Maßstäben. Wir malen mit dem Kopf, und der ist absolut nicht kreativ. Dann sind wir in kürzester Zeit blockiert, verlieren die Lust am Malen oder kritisieren unser Bild.
Im Fluss sein

Das Fließen und die Blockaden sind natürliche Stationen des Malprozesses. Wenn es fließt – wenn wir „im Fluss sind“ – können wir erleben, wie es ist, eins mit sich zu sein. Wir können über die Farben und Formen staunen, die sich wie von selbst auf unserem Bild entfalten. Wer malt hier eigentlich? Das ist eines dieser Geheimnisse, die man besser nicht erklärt, sondern erlebt.

Die Blockaden hingegen können als Hinweise dienen, dass wir wieder einmal abgewandert sind. Wollen wir aus dem Kopf weitermalen und uns seinen Urteilen und Maßstäben fügen? Oder wollen wir es wagen, wieder in die Gegenwart zu springen und nicht zu wissen, sondern offen und wach auf unsere Intuition zu hören. Die Quelle wieder finden. Uns vom Leben leiten lassen.

So wird das Malen zu einer lebendigen Meditation, einer Huldigung der Gegenwart und des Mysteriums, das wir sind.