Was ist Kreativität?

Diese Sammlung kleiner Texte zu verschiedenen kreativen Themen illustriert meine Sicht des kreativen Prozesses

Ateliern. vom altfranzösischen astelier, abgeleitet von astele, ‚Span’, ‚Splitter’.Ein Ort, wo viele Späne fallen, eine Werkstatt.
Als ich klein war, lebten wir in einer alten Mühle und  mein Vater führte ein Sägewerk, oder, im Sinne des Wörterbuchs, eine Werkstatt, ein Atelier. Dort wurden  Bäume zu Brettern gesägt und die Späne, die abfielen, wurden abends auf einen großen Haufen gefegt, um am  nächsten Tag den Dampfkessel anzuheizen, der die Sägen antrieb – ein schöner Kreislauf!
Im Atelier für Worte & Farben sind die Späne eher  geistiger Art. Beim Malen und Schreiben befreien wir uns von alten Ängsten, Urteilen, Bedenken und engen  Maßstäben – sie fallen wie Späne von uns ab. Wir  werden freier, lebendiger und mutiger. Frei, zu schreiben, frei, zu malen, frei, uns spielerisch auszudrücken.

Die Entdeckung der eigenen Freiheit brachte mich dazu, das Atelier für Worte & Farben aufzubauen, das sich – wie alles Kreative – immer weiter entwickelt. 


Jetzt malen
Malen ist immer JETZT – wenn wir malen, sind wir in der Gegenwart. Das gilt natürlich für alles im Leben. Auch beim Singen, Einkaufen, Essen, Arbeiten, Lieben, Tanzen sind wir in der Gegenwart.
Doch unser Verstand überzieht unser gegenwärtiges Sein zu gerne mit einem Schleier. Wir sind nicht richtig da.

Wenn wir beim Malen abwandern, verlieren wir den Kontakt zu unserer Quelle, der schöpferischen Kraft. Entweder wir sind eins mit ihr (und mit uns selbst) und malen eifrig, vertieft und hingerissen – oder wir wenden uns von ihr ab und begleiten jeden Strich, den wir tun, mit Kommentaren, Urteilen, Plänen, Zielsetzungen, Vergleichen und Maßstäben. Wir malen mit dem Kopf, und der ist absolut nicht kreativ. Dann sind wir in kürzester Zeit blockiert, verlieren die Lust am Malen oder kritisieren unser Bild.

Beides – das Fließen und die Blockaden – sind natürliche Stationen des Malprozesses. Wenn wir „im Fluss sind“ können wir erleben, wie es ist, eins mit sich zu sein. Wir können über die Farben und Formen staunen, die sich wie von selbst auf unserem Bild entfalten. Wer malt hier eigentlich? Das ist eines dieser Geheimnisse, die man besser nicht erklärt, sondern erlebt.

Die Blockaden hingegen können als Hinweise dienen, dass wir wieder einmal abgewandert sind. Wollen wir aus dem Kopf weiter malen und uns seinen Urteilen und Maßstäben fügen? Oder wollen wir es wagen, wieder in die Gegenwart zu springen und nicht zu wissen, sondern offen und wach auf unsere Intuition zu hören. Die Quelle wieder finden. Uns vom Leben leiten lassen.
So wird das Malen zu einer lebendigen Meditation, einer Huldigung der Gegenwart und des Mysteriums, das wir sind.

 

Kreativität ist kein Privileg von Künstlern, Innovativen und Genies. Sie ist auch viel mehr als die Fähigkeit „neue Problemstellungen durch erworbene Fähigkeiten zu lösen“, wie Wikipedia etwas umständlich behauptet.

Kreativität ist die jedem – wirklich jedem – Menschen gegebene Kraft, sich schöpferisch auszudrücken.

Jeder Mensch drückt sich in jedem Augenblick auf verschiedene Weise aus. Viele unserer „Ausdrücke“ sind flach, fremdbestimmt, fragmentiert. Wir drücken uns aus wie Roboter, vorprogrammiert, reaktiv und seelenlos. Das ist vertraut, aber auch zutiefst unbefriedigend.
Doch jeder kennt auch das beglückende Gefühl, eins mit seinem Ausdruck zu sein. Ein Wort dafür ist „Flow“. Wenn Sein und Tun zusammenfallen, ist jeder Ausdruck schöpferisch. Wir sind eins mit uns selbst, dem Augenblick, unserem Handeln.

Die Kraft, die uns das ermöglicht, nennen wir Kreativität.
Sie ist unsere freie Ausdruckskraft, unsere Fähigkeit von innen heraus auf das Leben zu antworten, zu spüren, dass wir beseelt sind, angeschlossen an ein tiefes und wunderbares Geheimnis. Und egal, wie stark diese Kraft von Urteilen, Vergleichen, falschen Vorstellungen und Konditionierungen überdeckt ist,
egal, wie alt wir sind,
egal, wie wenig wir sie vielleicht spüren,
sie kann und will befreit werden.

In meiner Schule für Kreativität unterstütze ich die Teilnehmer dabei, ihre schöpferische Kraft wieder freizulegen. Die Hindernisse, denen wir dabei begegnen, betrachte ich als kreative Schöpfungen, die einst eine wichtige Funktion erfüllten, uns heute aber vor uns selbst und unserem höchsten Potenzial „beschützen“. Das zu verstehen ist der erste Schritt zu ihrer Auflösung.
Meine langjährigen therapeutischen Erfahrungen kommen mir bei dieser Arbeit zugute.


Farben
Wenn Sie jetzt kurz aufschauen, sehen Sie – die Welt der Farben. So vertraut und selbstverständlich, dass wir sie nur sehr selten bewusst wahrnehmen.
Beim Malen ist das anders:
Da leuchtet das Rot, strahlt das Gelb, summt das Blau…
Welche Farbe spricht zu mir? Welcher Ton? Schon die Entscheidung für die richtige Farbe ist ein Abenteuer. Und dann das Gefühl, wenn der Pinsel seine Spur durch ein dickes Gelb, Blau oder Schwarz zieht. Das Mischen, Auftragen, Spuren legen. Das Spielen mit all diesen bunten Gefährten, grau, weiß, grün, silber, orange. Braun. Lila.
Welch ein Reichtum!

Und was für ein tiefes Vergnügen, die Farben ohne festen Plan einfach nach Gusto auszuwählen und auf das Papier zu bringen. Wie fühlt sich ein helles Blau an? Wie ein dunkles Rot-Lila? Was spricht das Gold in mir an und was das Schwarz? Wenn wir beim Malen nicht gleich mit einem festen Plan ans Werk gehen, brauchen wir andere Instanzen als unser inneres Planungskomitee, um unter den Farben eine Auswahl zu treffen und zu entscheiden, welche Farbe neben welcher stehen darf – ja, muss. Unsere Intuition bezieht immer unsere Sinne, unsere Gefühle, unseren gegenwärtigen Zustand mit ein und sorgt dafür, dass das Spiel mit den Farben nie langweilig wird.     

 

Worte
Am Anfang waren Worte nichts als kleine, schwarze Tierchen, die in schnurgeraden Reihen über Buchseiten oder Zeitungsblätter marschierten. Kribbelig. Geheimnisvoll.
Dann kam das Lesen.
Wissen Sie noch, wie Sie lesen gelernt haben? Ich nicht. Aber als ich es dann beherrschte, war ich nicht mehr zu halten. Heimlich am Bücherschrank der Eltern. Mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Schilder, Zettel, Briefe, Zeitungen. Wörter überall
Und das Schreiben! Aus Krakeln einen Sinn bilden, der sich anderen mitteilt, mühsam zuerst:dann flüssiger….

Und schließlich Aufsätze, Gedichte, Liebesbriefe, Übersetzungen, das erste Buch…

Denselben Weg vom Krakel über das Entdecken zum fertigen Text unterrichte ich in meinen Schreibkursen. Denn ganz gleich, ob wir ein Gedicht, einen Brief oder ein  Buch schreiben wollen – nur wenn wir uns erlauben zu spielen, kann der Strom der Worte zu fließen beginnen.
Und was, wenn Sie an einem größeren Werk arbeiten? Viele zieht es in die Form, zum Schreiben von Büchern, Geschichten, Artikeln, andere erleben, dass sich das Spiel mit den Worten wie von selbst verdichtet und ein Sinn, eine Form sich durchsetzen will. Wenn Sie beim Erarbeiten längerer Texte auf Blockaden stoßen oder den Wald vor lauter Bäumen (den Sinn vor lauter Wörtern) nicht mehr sehen können, biete ich Einzelberatungen an.